Großer Garten – Hannover-Herrenhausen

Großer Garten Hannover-Herrenhausen - © auto-reise-welt.de

Großer Garten Hannover-Herrenhausen – © auto-reise-welt.de

Historische Einführung

Der Große Garten in Herrenhausen ist der besterhaltene Barockgarten Deutschlands. Auf seiner über 50 Hektar großen Anlage vermittelt er dem Besucher einen Eindruck von barockem Lebensgefühl und Gestaltungswillen. Die Geschichte des Großen Gartens geht zurück bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts:

Im Jahr 1665 übernimmt Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, das Fürstentum Calenberg mit Hannover als Residenz. Herrenhausen bestimmt der welfische Herrscher zu seiner Sommerresidenz und beginnt mit ihrem planmäßigen Ausbau. Gleichzeitig, wohl ab 1666, legt der Gärtner Michael Grosse den ersten, quadratischen Lustgarten an – die Keimzelle des Großen Gartens.

Mit der Grotte und der Großen Kaskade entstehen die ersten Gartenarchitekturen. 1679 stirbt der Herzog und sein Bruder Ernst August tritt die Nachfolge an. Unter ihm und seiner Gemahlin Sophie von der Pfalz erlebt der Hof zu Herrenhausen eine einzigartige Blütezeit. Sophie sammelt um sich einen illustren Kreis von Künstlern und Gelehrten, französische und vor allem italienische Kultur halten Einzug. Der Garten wird zum Schauplatz glanzvoller Feste. Das 1693 vollendete Gartentheater ist heute das älteste und besterhaltene Heckentheater des Barock.

1696 beginnt Gartenmeister Martin Charbonnier mit dem großzügigen Ausbau des Gartens im holländisch-französischen Stil. Als Vorbilder dienen ihm die oranischen Residenzen Hollands. Charbonnier erweitert den Garten nach Süden: Mit dem Nouveau Jardin verdoppelt sich seine Fläche. Im Jahr 1714 ist der Große Garten fertig gestellt – und hat denselben Grundriss, wie er bis heute überliefert ist. 1720 ist die Große Fontäne fertig gestellt, die bereits von Zeitgenossen als technisches und ästhetisches Meisterwerk bewundert wurde und heute rund 60 Meter hoch springt.

Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Große Garten ziemlich verfallen, wird 1936 aber nach historischen Vorbildern rekonstruriert. Dabei wird er teilweise umgestaltet und erhält seine jetzige Gestalt. Das Herrenhäuser Schloss wird im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst 70 Jahre später wieder aufgebaut.

Heute zieht der Barockgarten jedes Jahr rund eine Million Besucher an. Großer Beliebtheit erfreuen sich die Gartenfeuerwerke sowie das regelmäßige „Kleine Fest im Großen Garten“ mit seinen vielfältigen künstlerischen Darbietungen. In den „Festwochen Herrenhausen“ erwachen das Gartentheater und das Galeriegebäude zu neuem Leben.

Schloss Herrenhausen

Portal der ehemaligen Schlosstreppe - © auto-reise-welt.de

Portal der ehemaligen Schlosstreppe – © auto-reise-welt.de

Die hufeisenförmige Anlage des Herrenhäuser Schlosses wurde 1943 durch Bomben zerstört. Erhalten geblieben war zunächst nur das Portal der Schlosstreppe sowie die Begrenzungen der beiden Schlosshöfe. Das Gartenrestaurant befindet sich heute an der Stelle der ehemaligen Schlossküche.´

Erst im neuen Jahrhundert wurde der Wiederaufbau in Angriff genommen und 2013 fertig gestellt. Das heutige Gebäude entspricht nach außen der früheren Gestalt, beherbergt aber im Inneren moderne Ausstellungsräume, ein Herrenhausen-Museum und Kongresssäle.

Die Geschichte des Schlosses

Vorläufer des Schlosses war das Vorwerk Haringehusen. Von 1665 bis 1675 wurde es zu einem Lusthaus umgebaut und im Jahr darauf zu einer dreiflügeligen Schlossanlage erweitert. Nun bildeten die Grotte und die Große Kaskade die Kopfbauten der Seitenflügel. Bis 1706 erweiterte der Architekt Quirini den Fachwerkbau, 1821 gestaltete ihn der Baumeister Laves klassiszistisch um.

Das äußerlich eher bescheidene Schloss diente dem welfischen Herrscherhaus als Sommersitz bis 1714, dem Beginn der englisch-hannoverschen Personalunion. Zuletzt residierte hier König Georg V. von 1857 bis 1866.

In den Nachkriegsjahrzehnten hatte man den Wiederaufbau des Schlosses sowie mögliche Ersatzbauten kontrovers diskutiert, jedoch mangels Investoren immer wieder verworfen. Besonders umstritten war das „Bella Vista“-Projekt des dänischen Architekten Arne Jacobsen, eine Aussichtstribüne 21 Meter über dem Gartenniveau.

Gartentheater

Gartentheater Hannover-Herrenhausen - © auto-reise-welt.de

Gartentheater Hannover-Herrenhausen – © auto-reise-welt.de

Das Gartentheater in Hannover-Herrenhausen ist das älteste, fast unverändert erhalten gebliebene Heckentheater des Barock. Fertig gestellt wurde es im Jahr 1693, samt dem „Königsbusch“ (dem Foyer) sowie der Kleinen Kaskade an der Rückseite des Theaters. Dem Architekten Johann Peter Wachter als Vorbild diente das 1689 von den Franzosen zerstörte Theater im pfälzischen Durlach. Selbst Versailles verfügte damals nur über bewegliche Kulissen, die nach Bedarf im Garten aufgeschlagen wurden.

In den Sommermonaten ist das Theater heutzutage wieder Schauplatz für regelmäßige Aufführungen. Die 52 Meter tiefe Bühne täuscht eine perspektivische Wirkung vor, indem sie nach hinten ansteigt und sich trapezartig verjüngt. Hainbuchenhecken bilden die Kulissen. Davor stehen 12 vergoldete Statuen, den rückwärtigen Abschluss bilden eine kleine Fontäne und eine Nachbildung der „Venus von Medici“. Die Bühne wird eingerahmt von den „Borghesischen Fechtern“, zwei Repliken aus der römischen Villa Borghese.

Beiderseits der Bühnenrampe stehen die Sandstein-Statuen Ceres und Luna, die wahrscheinlich Arnold Rossfeld 1693 schuf. Ein breiter Weg trennt die Bühne von den im Stile eines Amphitheaters angelegten Zuschauerrängen. In den Jahren 1936/37 hat man das heruntergekommene Gartentheater erneuert. Damals wurden zusätzlich die beiden Heckenvorräume geschaffen, die Bühne und Zuschauerraum zu einer räumlichen Einheit verbinden.

Große Fontäne

Fontäne Großer Garten - © auto-reise-welt.de

Fontäne Großer Garten – © auto-reise-welt.de

Die Große Fontäne bildet den Mittelpunkt des Gartenteils „Nouveau Jardin“. Sie ist wohl das Einzige, das zu allen Zeiten bei den Gartenbesuchern stets Bewunderung hervorrief, über wechselnde Stilepochen und launische Zeitgeschmäcker hinweg.

Das Wasserbecken mit einem Durchmesser von 53 Metern hatte bereits 1698 Fontänenmeister Pierre Denis angelegt. Die reibungslose Wasserzufuhr stellte aber lange Zeit ein unüberwindliches Problem dar. Allein der Fontänenmeister Cadart mühte sich bis 1689 14 Jahre erfolglos. Im Jahr 1720 war endlich die Wasserkunst fertig gestellt. Pierre la Croix vollendete die Fontäne und konnte sie in Funktion setzen.

Die Technik machte mit der Zeit Fortschritte: Betrug die Steighöhe zunächst nur 36 Meter, erreichte sie 1863 nach der Erneuerung der Wasserkunst 67 Meter. Heute erreicht diese größte Gartenfontäne Europas bei Windstille eine Hohe von rund 80 Metern. Heute treibt man sie „nur“ noch auf 60 Meter. Dabei wird das Wasser mit 10 bar Druck durch einen 4 Millimeter breiten Rundschlitz gedrückt, der hohle Strahl erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 140 km/h.

Die Lilie, aus deren goldenem Kelch die Fontäne entspringt, gilt seit Jahrhunderten als Symbol der Reinheit. Zu besonderen Anlässen ist die Große Fontäne festlich beleuchtet.

Große Kaskade

Kaskade Großer Garten - © auto-reise-welt.de

Kaskade Großer Garten – © auto-reise-welt.de

Die Große Kaskade haben der Fontänenmeister Cadart und der Architekt Sartorio zwischen 1676 und 1680 angelegt. Michael Riggus schmückte die Kaskade im Stil des Frühbarock mit italienischen Kamm-Muscheln, Tropfsteinen und Mineralien. Über die Kaskadentreppen fließt Wasser hinab. Neben der gleichzeitig entstandenen Grotte ist die Kaskade das älteste Bauwerk des Gartens. Im Gegensatz zur Grotte ist sie weitgehend im Originalzustand erhalten.

Die neun Sandsteinfiguren auf der Treppenbalustrade schuf wahrscheinlich Pieter van Empthusen um 1679. Sie stellen bedeutende antike Gottheiten dar, und zwar Hermes, Luna, Mars, Minerva, Jupiter, Vulkan und Herkules. Von den beiden göttlichen Liebespaaren ist nur eines identifiziert, als Mars und Venus.

Wer die Plastiken in den Kaskadennischen fertigte, ist unklar. Die Darstellungen ranken sich um das Motiv Wasser: So steht links zwischen den Kaskadenfällen Venus, die Schaumgeborene, und rechts Leda mit dem Schwan. Unter dem Aufgang zur Balustrade liegt zur linken ein Triton, ein göttliches Meereswesen. Sein Pendant zur rechten bildet eine Najade, eine Quellnymphe. Beide Figuren haben Füllhörner, zum Zeichen des Überflusses und der Fruchtbarkeit. Die Vase der Najade symbolisiert einen entspringenden Bach.

Galeriegebäude

Galeriegebäude in Hannover-Herrenhausen - © auto-reise-welt.de

Galeriegebäude in Hannover-Herrenhausen – © auto-reise-welt.de

Der lang gestreckte Bau der Galerie bildet den architektonischen Schwerpunkt des Gartens. Er wurde von 1694 bis 1698 durch Brand Westermann errichtet, nach Vorlagen der Architekten Wachter und de Münter. Der prächtige Festsaal wird für Ausstellungen, Musik- und Theaterveranstaltungen genutzt.

Ursprünglich war das Galeriegebäude nur als Orangerie geplant. Nach der Hälfte der Bauzeit änderte man aber – auf Anregung der welfischen Kurfürstin Sophie – seine Zweckbestimmung. Nun wurde der fast 80 Meter lange Orangeriesaal nach italienischen und französischen Vorbildern zum Festsaal ausgebaut. In den beiden seitlichen Flügeln entstanden je sechs Wohnräume.

Der Venezianer Tommaso Giusti entwarf die Innendekoration und schmückte Saal und Wohnräume mit Fresken. Die Decke des Festsaals zeigt ein verschlungenes, manieristisches Stuckornament. Im größten barocken Freskenzyklus Norddeutschlands zeigen die Wände Szenen der Äneas-Sage. Die 14 Büsten römischer Kaiser stammen wohl aus dem Italien des 16. Jahrhunderts.

Während der allsommerlichen Hofhaltung in Herrenhausen bewohnte Sophie den Westflügel der Galerie, von 1700 bis zu ihrem Tod im Jahr 1714. Das „Sophienzimmer“ im Galeriegebäude, das ihr als Schlafgemach diente, ließ sie 1706 zu einem sehenswerten Spiegelkabinett umgestalten.

Den Ostflügel bewohnte Prinz Georg August, der spätere König Georg II., mit seiner Gemahlin. Ursprünglich hatte man die Gemächer für Kurfürst Ernst August eingerichtet, der aber im Jahr 1698 verstarb.

Orangerie

Orangerie - © auto-reise-welt.de

Orangerie – © auto-reise-welt.de

Der Hallenbau der Orangerie erstreckt sich parallel zum Galeriegebäude. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein diente er als Überwinterungshaus für Orangen- und Lorbeerbäume und andere nicht winterharte Pflanzen. Den ursprünglichen Bau hatte Johann Christian Boehme 1723 vollendet. Schon 16 Jahre darauf ersetzte der Architekt Heumann das Fachwerk größtenteils durch massiven Stein. 1823 gab Baumeister Laves der Orangerie ihre heutige klassizistische Fassade.

Die ersten Kübelpflanzen kamen 1653 aus Venedig in den Großen Garten, die ersten Orangen folgten zwei Jahre später. Aus dieser Zeit besitzt Herrenhausen noch heute einen Granatapfelbaum. Zunächst überwinterten die Pflanzen im Galeriegebäude. In den folgenden Jahrzehnten überführte man eine Vielzahl von aufgelösten Orangerien nach Hannover. Die stetig wachsende Sammlung zählte im Jahr 1720 über 600 Pflanzen. In der Galerie aber fand sich nicht mehr genügend Platz, zudem benötigte man ihren Saal für Festveranstaltungen. Also musste man eine neue Orangerie errichten.

Im Jahr 1969 entstand westlich der Graft ein neues 13 Meter hohes Überwinterungshaus aus Glas. Für das 18. Jahrhundert wäre, angesichts des absolutistischen Repräsentationsanspruches, eine solch funktionale Lösung kaum denkbar gewesen. Heute wird die Orangerie als Ausstellungsraum und für Festlichkeiten genutzt.

Irrgarten

Irrgarten Hannover-Herrenhausen - © auto-reise-welt.de

Irrgarten Hannover-Herrenhausen – © auto-reise-welt.de

Der achteckige Irrgarten entstand erst 1937 im Großen Garten. Seiner Neuschöpfung lag allerdings ein alter Plan von 1674 zugrunde, der wahrscheinlich von Hofgärtner Henri Perronet stammt. Trotz der insgesamt 500 Meter langen Hecken ist der Mittelpunkt auf einer Strecke von nur 15 Metern zu erreichen. Das Zentrum markiert ein als Vogelvoliere gestalteter Holztempel.

Besonders während der Stilepochen der Renaissance und des Barock waren Irrgärten beliebte Gartenelemente.

Der Irrgarten ist eingebettet in ein quadratisches Boskettquartier. In den Ecken des Quadrats stehen vier Sandsteinvasen aus dem untergegangenen Barockgarten von Salzdahlum bei Wolfenbüttel.

Wasserkunst

Wasserkunst - © auto-reise-welt.de

Wasserkunst – © auto-reise-welt.de

Die heute erhaltene Anlage der Wasserkunst stammt aus dem Jahr 1863. Bis 1956 sorgte sie für die Wasserzufuhr des Großen Gartens. Große gusseiserne Schaufelräder hoben das Wasser aus der Leine. Bis heute ist die Anlage noch funktionstüchtig und wird zu Führungen in Betrieb gesetzt.

Seit Anbeginn des Großen Gartens stellte sich die Herausforderung, für eine stetige Wasserversorgung der Anlagen zu sorgen. Vor allem galt es den notwendigen Druck für die Wasserspiele, insbesondere für die Große Fontäne, zu erzeugen. Trotz größter Bemühungen gelang den Fontänenmeistern des Hofes kein entscheidender Durchbruch.

Die Lösung fand erst 1720 der englische Ingenieur Sir Benson mit seiner „Englischen Wassermaschine“. Zunächst legte man ein Wehr an, das die Leine über drei Meter hoch aufstaute. Oberhalb des Wehrs zweigte man den „Ernst-August-Kanal“ ab. Über diesem Kanal ließ Benson sein Wasserhebewerk aus Eichenholz errichten – fünf Wasserräder, die 40 Pumpen in Betrieb hielten. Endlich konnte Pierre la Croix die Große Fontäne in Funktion setzen. Über Bleirohre direkt von der Wasserkunst gespeist, erreichte ihr Strahl 36 Meter. Die Bensonsche Anlage sollte insgesamt 140 Jahre in Betrieb bleiben.

Kleines Fest im Großen Garten

Kleines Fest im Großen Garten - © auto-reise-welt.de

Kleines Fest im Großen Garten – © auto-reise-welt.de

Eine der unbestrittenen Hauptattraktionen ist das „Kleine Fest im Großen Garten“. An einem guten Dutzend Sommerabenden verwandeln internationale Künstler den Barockgarten in eine einzigartige Bühne.

In den Heckenräumen, zwischen Rabatten und Fontänen, zeigen Artisten, Gaukler und Musiker ihr Können. Die limitierten Eintrittskarten sind nicht nur bei den Hannoveranern heiß begehrt. Abschluss und Höhepunkt jedes Fests ist ein großes Feuerwerk.

Auch sonst ist der Große Garten ein Ort der Kunst und des Feierns. Beliebt sind zum Beispiel die Festwochen Herrenhausen (Musik und Schauspiel) sowie der Internationale Feuerwerkswettbewerb.

Feuerwerk in Hannover-Herrenhausen - © auto-reise-welt.de

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